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Sonntag, 22. März 2009

Geschmack nach nichts!


Mit den Tomaten fing alles an vor Jahren schon.
Die schmeckten nicht mehr nach Tomate,
aber immerhin nach nichts.
Heute schmeckt alles nach allem möglichen,
nur nicht nach sich selbst. 

Schokolade ist zur reinen Trägerpampe
für durchgeknallte Chemielaboranten verkommen.
Dachte man bisher,
in der Ritter Sport-Forschung
sei jede Perversion bereits durchlebt worden,
geht bei Lindt-Sprüngli der Luzifer erst richtig ab. 
Hot Grenadine,
Edelbitter/Mousse-Orange,
Limette/grüner Pfeffer,
Zitrone/Basilikum,
da ahnt man zumindest noch was gemeint ist.

Auch wenn man prophylaktisch schon mal
die Kotzetaste drückt im Schlund.
Aber wonach schmeckt Excellence-Meersalz?
Nach der Wasserleiche eines päpstlichen Nuntius?
Und womit will man uns bei Creola Ek Chuah vergiften?
Ich habs probiert.
Mit Rasiermesser scharfen Kakaobohnen-Schrapnells,
die der Conche, wie wir Chocolatier sagen,
beigemischt werden um
blutende Wunden in den Backentaschen
der Ek Chuah-Opfer zu erzeugen.

Bis gestern hielt ich die Schweizer für ein
zwar verschrobenes aber dennoch
ernst zu nehmendes Völkchen
unschuldiger Murmeltierwämser.
Nun aber setze ich sie auf eine Stufe mit den
Langzähnigen von den Britischen Inseln. 

Dort wird schon seit Christi Samenerguß,
oder sogar noch davor,
jedes Lebensmittel in einen
Geschmackszombie verwandelt.

Legendär sind die geflavoredten Crisps,
die nach gesalzenem Fussbodenaufwischwasser riechen,
auch so schmecken
und auf den Namen Salt & Vinegar hören.

Auch in Sachen Bier vergiften ist die
Insel der Verdammten Vorreiter gewesen.
Mittlerweile stehen die Doofköppe bei
uns ihnen aber in nichts nach.
Becks chilled Orange sage ich nur und
wende mich jetzt dem Kaffee zu.

Dort liefert uns Marktführer Starbucks täglich
Argumente um Amerika den Krieg zu erklären.
Mit Hilfe einer Batterie Giftampullen wird aus
dem an sich schon mäßigen Heißgetränk
ein furzbrauner Schierlingsbecher namens
Salted Caramel Hot Chocolate, oder so ähnlich.

Gelernt hats der US-Kaffeevergifter vom
Eismann aus dem eigenen Land.
Dort gibts 5-Liter-Eimer halb gefrorener Euterschlämpe,
so fett wie bei uns die Butter mit der Doppelrahmstufe,
in Geschmacksrichtung namens

Bär umme Eier oder Omma von hinten.

Nur um die zu nennen,
die auch der Mitteleuropäer noch versteht.

Alles schmeckt immer mehr nach irgendwie,
nur nicht nach sich selbst.

Sogar die Hundescheiße riecht nach Bratwurst,
weil Bello zuvor Pansenking-Prawns mit Barbecue-Flavor getafelt hat.
Da kann man nur sagen:
Esst mehr Scheiße,
Hunderttausend Fliegen können nicht irren.